1. November – Allerheiligen – 2014

„Vielleicht sitzen sie in Büros und Behörden,
laufen mit einer Werkzeugtasche durch Werkhallen,
arbeiten in Operationssälen oder Seniorenheimen,
kümmern sich um die kranke Nachbarin und
grüßen den Bettler am Straßenrand.
Vielleicht sind es die,
die sich denen zuwenden,
die von keinem beachtet werden.
Vielleicht sind es die, die nicht auffallen,
weil man die Güte und Liebe
auf dem Marktplatz der Eitelkeiten vergeblich sucht.
Vielleicht sind es die,
die selten „Ich“ sagen und häufig „Liebe“ tun.

Dieses Gedicht von Hildegard Nies ist mit „Heilige“ überschrieben.
Es erscheint uns vielleicht etwas unkonventionell, aber es beinhaltet nichts Falsches und betont gleichzeitig, Heilig zu sein ist kein uraltes Denken und Heilige sind keine ausgestorbene Spezies. Auch moderne Menschen können ein heiliges Leben führen, ja heilig sein.

Ja, heilig leben ist auch heute noch möglich. Das sagt uns heute das Evangelium … Selig sind die Armen, Trauernden, die, die keine Gewalt anwenden, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, die Barmherzigen, die ein reines Herz haben, die Frieden stiften, ja um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden…Ja, solche Menschen leben in unserer Welt, vielleicht in unserer unmittelbaren Nähe.

Dies bedeutet aber nicht, dass ‚heilig sein‘ etwa leicht ist. Diese können nur diejenigen erreichen, die aus „der Bedrängnis kommen“. Wenn Christsein auch in sich heilig sein bedeutet, so heißt es zugleich auch „verfolgt zu werden“. Denn wer den Glauben an Christus wirklich lebt, wird auch Leiden ertragen müssen. Dies gilt auch heute, nicht nur damals zu der Zeit als Johannes sein Buch, die Offenbarung, schrieb. Diese Zeit der Bedrängnis existiert auch heute noch.
Wegen des Glaubens an Christus verfolgt werden…das gibt es nicht nur in Asien und den arabischen Ländern. Laut einer Umfrage spüren Christen Feindseligkeit unterschiedlicher Ausprägung in 111 Ländern und Einschränkungen oder belästigende Situationen in 90 Ländern der Erde. Ein anderer Bericht sagt, dass mindestens 8000 Christen im Jahr 2013 verfolgt
wurden.
John L. Allen Jr., der Chef-Vatican-Korrespondent der Zeitung „the National Catholic Report“, bezeichnet in seinem Buch „The Global War on Christians“ die massive weltweite Christenverfolgungen als „die höchst dramatische religiöse Geschichte des 21. Jahrhunderts“. Er schreibt weiter, „die Christen seien die meist verfolgten religiösen Gruppen der Erde und ihre neuen Märtyrer leiden meistens in der Stille.“
Ein Beispiel, in den 90er Jahren lebten ungefähr 2 Millionen Christen in Irak. Inzwischen ist ihre Zahl laut einem authentischen Bericht auf 500 000 bis 200 000 geschrumpft.

Verfolgungen gibt es nicht nur in solch fernen Ländern, sondern auch hier im christlichen Europa… Vielleicht erfahren wir hier selten eine körperliche Verfolgung, dafür aber geistige, systematische, mediale und manchmal verbale Verfolgungen… Es geht nicht nur darum, dass Gott oder die Kirche verspottet werden, sondern dass die Grundwerte der Kirche in Frage gestellt werden, oder wenn die Werte in Familien schwinden, wenn das Leben als solches durch falsche Politik, durch unsere Spaß- und Lustbestrebungen nicht mehr geachtet werden, dann werden Christen und Christus verfolgt…ja auch hier bei uns…

Wir wollen froh sein, wenn wir, wie Hildegard Nies schreibt, Heilige in Büros und Behörden, in den Straßen und auf dem Marktplatz sehen. Denn auch die Heiligen, die wir verehren, haben ihren ganz normalen Alltag gelebt und ihn geheiligt. Auch sie hatten kein leichtes Leben. Es gab und gibt immer wieder Versuchungen in unserem Leben, die uns den Weg des Heils, den Weg zu Christus hin erschweren.
Hier ist unsere Glaubenstiefe, ja unsere Willensstärke gefordert. Dazu brauchen wir aber auch starke, christliche, betende und liebende Familien.
‚Heiligsein‘ wird dann auch im 21. Jahrhundert möglich.
Mögen unsere Familien ein Ort des Glaubens und des Gebetes sein. Gott segne uns dazu. Amen

— Thomas Kalathil

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One thought on “1. November – Allerheiligen – 2014

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