All Saints
Einführung:
Allerheiligen: ein Tag an dem wir an die große Schar der Heiligen denken, viele von ihnen sind uns bekannt, manche sogar vertraut. Außerdem gibt es eine namenlose Schar: es sind Menschen die ein heiligmäßiges Leben geführt haben, aber nicht ‚kanonisiert‘, d.h. nicht von der Kirche heiliggesprochen wurden.
Manche davon lebten vielleicht ganz in unserer Nähe,
manche kamen aus unserem Freundeskreis,
manche vielleicht aus unseren Familien…
Aber dieser Tag ist zugleich ein Aufruf an uns Christen.
Denn, wie Johannes in seinem Brief schreibt,
„heißen wir Kinder Gottes und wir sind es…was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden…wir werden ihn sehen…“
Ja, als Kinder Gottes sind wir dazu berufen heilig zu sein.
Für diese besondere Berufung danken wir Gott und bitten um seine Gnade im Kyrie:

Predigt:
„Vielleicht sitzen sie in Büros und Behörden,
laufen mit einer Werkzeugtasche durch Werkhallen,
arbeiten in Operationssälen oder Seniorenheimen,
kümmern sich um die kranke Nachbarin und
grüßen den Bettler am Straßenrand.
Vielleicht sind es die, die sich denen zuwenden,
die von keinem beachtet werden.
Vielleicht sind es die, die nicht auffallen, weil man die Güte und Liebe auf dem Marktplatz der Eitelkeiten vergeblich sucht.
Vielleicht sind es die, die selten „Ich“ sagen und
häufig „Liebe“ tun.
Dieses Gedicht von Hildegard Nies ist mit „Heilige“ überschrieben.
Es erscheint uns vielleicht etwas unkonventionell,
aber es beinhaltet nichts Falsches und betont gleichzeitig,
‚Heilig zu sein‘ ist kein uraltes Denken und
Heilige sind keine ausgestorbene Spezies.
Auch wir moderne Menschen können heilig sein.

Das sagt uns auch Christus im heutigen Evangelium…
Selig sind die Armen, Trauernden,
die, die keine Gewalt anwenden,
die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit,
die Barmherzigen, die ein reines Herz haben, die Frieden stiften, um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden…

Das sind die Dinge, die wir tun müssen um heilig zu sein.
Und wir wissen, dass solche Menschen in unserer Welt leben,
vielleicht in unserer unmittelbaren Nähe.
Wenn Menschen nach dem Plan / Wunsch Gottes in der Liebe und Barmherzigkeit einander treffen, dann handeln sie heiligmäßig.
Wenn sie einander Achtung und Würde schenken,
dann verkünden sie durch ihr Leben,
dass Gott keine abstrakte Idee, sondern lebendig, ja, Leben, ist.

Das wurde so einfach gesagt. Aber dieses in die Tat umzusetzen ist nicht so einfach. Gerade in der heutigen Zeit, in der unsere Gesellschaft sich verändert.
Menschen vergessen schnell ihre Geschichte und folgen extremen Ideologien…
Religion und Gott werden heute auch von den Gewalttätigen und Machtbesessenen instrumentalisiert. Auch deshalb verlieren heute viele Menschen ihren Glauben an Gott und Religion.
Damit möchte ich euch keinen Unmut und Angst predigen.
Ihr wisst, die Rede ist hier von einem kleinen Prozentsatz. Aber trotzdem müssen wir die Wandlung der Welt sehen und bemerken.
Wir müssen nicht aufgeben, sondern fragen, was wir dagegen tun können. Wir müssen fragen, wie wir in dieser Zeit ein heiliges Leben führen können.

Der Weg dazu ist ein enger Weg.
Auch die Heiligen, die wie kennen und nicht kennen,
sind diesen engen Weg gegangen.
Auch sie mussten leiden.
Viele wurden verfolgt. – Leiblich und geistig…
Ja, sie sind aus „der Bedrängnis“ gekommen.

Dies gilt nicht nur damals zu der Zeit als Johannes sein Buch, die Offenbarung, schrieb. Diese Zeit der Bedrängnis existiert auch heute noch.

John L. Allen Jr., der Chef-Vatican-Korrespondent der Zeitung ‚the National Catholic Report‘, schreibt in seinem Buch
‚The Global War on Christians‘,
„die Christen seien die meist verfolgten religiösen Gruppen der Erde und ihre neuen Märtyrer leiden meistens in der Stille.“

Ja, Verfolgungen gibt es nicht nur in Asien oder in den arabischen Ländern, sondern auch hier im christlichen Europa…
Vielleicht erfahren wir hier seltener eine körperliche Verfolgung, dafür aber geistige, systematische, mediale und manchmal verbale Verfolgungen…
Es geht nicht nur darum, dass Gott oder die Kirche verspottet werden, sondern dass die Grundwerte der Kirche in Frage gestellt werden, oder wenn die Werte in Familien schwinden,
wenn das Leben als solches durch falsche Politik,
durch unsere Spaß- und Lustbestrebungen nicht mehr geachtet werden, dann werden Christen und Christus verfolgt…
ja auch hier bei uns…
Aber solche Verfolgungen haben die Kirche stark gemacht.
In dieser Bedrängnis haben die Christen den Weg zu Gott gefunden.

Deshalb sollen wir froh sein. Denn wir haben, wie Hildegard Nies es schreibt, die Möglichkeit, Heilige in Büros und Behörden,
in den Straßen und auf dem Marktplatz zu sein.
Unser Alltag bietet die Chance dafür.
Denn auch die Heiligen, die wir verehren, haben ihren ganz normalen Alltag gelebt und ihn geheiligt.

Meine Lieben,
auch wir sind beauftragt worden, dem Weg von Christus zu folgen, den auch die Heiligen gegangen sind.
Dazu brauchen wir aber auch
starke, christliche, betende und liebende Familien.
‚Heiligsein‘ wird dann auch im 21. Jahrhundert möglich.
Mögen unsere Familien ein Ort des Glaubens und des Gebetes sein. Gott segne uns dazu. Amen

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