Be-Watchful
Einführung:
„Glaube bedeutet: Feststehen in dem was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht“. Solch ein starkes Zeugnis hören wir heute im Hebräerbrief. Glaube ist für jedes Leben sehr wichtig. Ohne irgendeinen Glauben kann man sein Leben nicht aufbauen. Der Glaube an Gott ist für religiöse Menschen besonders wichtig, weil sie daraus ihre Kraft beziehen… Weil wir an Gott glauben, feiern wir ihn jetzt in unserer Gemeinschaft. Möge dieser Glaube uns in der kommenden Woche und in der Zukunft begleiten und ermutigen. Darum bitten wir Gott:

Predigt:
Ein Patrozinium in meiner Heimat endet mit verschiedenen kulturellen Programmen, wie Gesang, Theater usw. Das ist Tradition seit Jahren…
Einen solchen Abend in meiner Kindheit werde ich niemals vergessen.
Es gab eine Theateraufführung zur Leidensgeschichte Jesu. Als die Szene der Kreuzigung kam, waren die Zuschauer sehr gerührt und andächtig.
Der Schauspieler war sehr engagiert;
aber am Kreuz war er leider einen Tick zu aktiv…
Dann passierte, was eigentlich nicht hätte passieren dürfen.
Weil er seinen Kopf hin und her bewegte,
rutschte seine Dornenkrone tiefer und legte sich um seinen Hals.
Es kam noch schlimmer:
Die Schauspieler auf der Bühne mussten sich alle beherrschen, vor allem aber der Jesus-Darsteller, der auf dem Kreuz lag.
Er hielt seinen Atem an und verlor auch noch seinen Lendenschurz,
der leider nicht gut genug fixiert war.
Für einige Sekunden stand er fast nackt, nur mit der Unterhose bekleidet.
Ein Soldat, der mit einer Lanze dastand, musste schnell reagieren.
Die Frauen unter dem Kreuz haben die Flucht ergriffen…
Das Chaos auf der Bühne war komplett…
Die traurige Szene wurde zu einer Lachnummer…

Als ich den Satz „legt euren Gürtel nicht ab und lasst eure Lampen brennen“ im Evangelium gelesen habe, kam mir die Geschichte wieder in den Sinn. Natürlich meint Jesus im Evangelium nicht den Gürtel den man benutzt um das Gewand zusammen zu halten.
Es ist vielmehr eine Redewendung der Bibel.

Eine ähnliche Verwendung hören wir zuerst im Exodus.
Als der Herr zu Mose und Aron über das Pascha-Mahl sprach, sagte er: „So aber sollt ihr es essen: eure Hüften gegürtet, Schuhe an euren Füßen und euren Stab in eurer Hand. Esst hastig!“ (Ex 12, 11)
Aus dieser alttestamentlichen Szene können wir ersehen,
dass ‚gegürtet‘ ein Ausdruck der Bereitschaft ist.
Die Israeliten waren bereit für eine lange Reise auf die sie sehnsüchtig gewartet haben. Aber das geschieht nun in großer Eile. Bevor sie aufbrachen stärken sie sich beim gemeinsamen Essen.

Wenn Jesus dieses Bild des ‚gegürtet seins‘ verwendet, will er eben diese Botschaft der Bereitschaft verkünden. Um das noch zu betonen verwendet er das Bild von den Knechten die wach sind…
Wachsamkeit ist eine von Anfang bis am Ende der Bibel sich wiederholende Aussage.
„Wachet und betet“… (Mt 26, 41) so ermahnt Jesus seine Jünger…

Meine Lieben, nicht nur der Glaube, sondern jede Zeit in unserem Leben braucht eine gewisse Wachsamkeit. Sie ist besonders wichtig, weil sich die Welt sehr schnell und unaufhaltsam verändert.

Christus spricht im Evangelium von einer kleinen Herde.
Das ist zum Teil wahr geworden, gerade in Europa.
Vor einigen Wochen wurde die Kirchenstatistik für Deutschland für das Jahr 2018 veröffentlicht.
Da sehen wir eine traurige Bilanz über die Zahl der Kirchenbesucher.
In unserem Bistum Mainz sind es 8.3 % der Katholiken,
in unserem Bundesland (RLP) sind es noch weniger, nämlich 7.8%.
Die höchste Besucherzahl in unserem Land hat Thüringen mit 16.7 %.
Das sind erschreckende Eckdaten…
Ja, das Christentum ist bei uns schwach vertreten. Der Glaube verliert langsam an Boden und damit seine Bedeutung in der Gesellschaft, obwohl gerade Europa von christlichen Werten sozial und politisch geprägt ist…

Es sind viele, die gegen die Kirche und die Religion aktiv werden.
Wir können das weder verhindern noch verbieten. Das kann nicht unser Weg sein.
Aber wieso konnten sie die Oberhand gewinnen?
Ich denke, weil viele Christen in ihrem Glauben unaufmerksam und gleichgültig geworden sind…
Auch die kirchliche Führung hat hier vieles verschlafen…
Ja, wir waren nicht aufmerksam genug.

Hat Christus nicht vorausgesehen, dass wir Christen nicht immer in einem goldenen Zeitalter leben? … Die Bibel sagt uns: Ja, er hat es selbst prophezeit!

Meine Lieben, seien wir deswegen nicht ohne Hoffnung.
Meiner Meinung nach sind die Zahlen zweitrangig.
Das wichtigste ist nicht wie voll unsere Kirchen sind, sondern wie bewusst wir den Glauben leben, auch wenn wir zurzeit nur eine kleine Gruppe sind.

Ja, die Entwicklungen in der Welt müssen wir wachsam verfolgen…
Auch die kritischen Haltungen der Gesellschaft müssen gut beobachtet werden…
Den Themen die Menschen bewegen, müssen wir Gehör schenken…
Es ist klar: Wir brauchen einen neuen Geist in der Kirche, mit dessen Hilfe wir die stürmischen Zeiten überwinden können.
Wir müssen lernen uns mit Liebe und Menschlichkeit zu gürten.
Wir müssen lernen Christus zu tragen…

Der Schauspieler, der sich am Kreuz entblößte war unaufmerksam.
Das führte zum Chaos.
Ich wünsche uns keine ähnliche Erfahrung nur wegen einer kleinen Unaufmerksamkeit.
Stehen wir fest im Leben, stehen wir fest im Glauben, dann wird uns nichts passieren.
Gott möge uns dabei begleiten und stärken. Amen!

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