All Souls' day
Einführung:
Meine lieben Freunde,
wenn wir Christen uns am Allerseelentag zum Gottesdienst versammeln, dann tun wir dies, weil wir dem glauben,
der gesagt hat:
“Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.”

Wir sind hier zusammengekommen, um uns an unsere verstorbenen Familienangehörigen, Verwandten und Freunde und die vielen namenlosen Toten zu erinnern.
Aber gleichzeitig wollen wir uns unseres Glaubens vergewissern,
dass der Tod nicht das letzte Wort über das Leben sprechen darf, sondern Beginn eines neuen Lebens ist, auch wenn wir diese tiefe Wahrheit mit unserem Verstand nicht einholen können.
Gott ist es, der uns die ewige Heimat bereitet, der uns den Weg nach Hause finden lässt.

– kurze Stille –

TOTENGEDENKEN
Die Osterkerze brennt neben dem Altar…

Sie ist ein sichtbares Zeichen unseres Glaubens und unserer Glaubenshoffnung…
Sie ist ein Zeichen für Jesus, der uns und unseren Toten das bleibende Leben schenkt…
In dieser Hoffnung gedenken wir unserer Verstorbenen,
besonders des vergangenen Jahres. Er, der das gute Werk begann, wird es vollenden.
Jetzt werden Kerzen angezündet – für jede Verstorbene und jeden Verstorbenen eines. Ich lese die Namen vor und eine Person, die mit dem Verstorbenen / der Verstorbenen verbunden ist, möge die Kerze empfangen und diese dann auf den Altar stellen.

… Danach…

+ Herr, gib all unseren lieben Verstorbenen die ewige Ruhe:
Und das ewige Licht leuchte ihnen.
Herr, lass sie leben bei dir in Frieden. Amen.

Predigt:

Wolfgang Amadeus Mozart schreibt drei Jahre vor seinem Tod in einem Brief an einen Freund:
„Da der Tod … der wahre Endzweck unseres Lebens ist,
so habe ich mich seit Jahren mit diesem wahren,
besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht,
dass sein Bild nicht alleine nichts Schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel Beruhigendes und Tröstendes!
– Und ich danke meinem Gott, dass er mir das Glück gegönnt hat,
mir die Gelegenheit zu verschaffen, den Tod als Schlüssel unserer wahren Glückseligkeit kennen zu lernen.
– Ich lege mich nie zu Bette, ohne zu bedenken, dass ich vielleicht
(so jung als ich bin) den anderen Tag nicht mehr sehen werde.
Und es wird doch kein Mensch von allen, die mich kennen,
sagen können, dass ich im Umgang mürrisch oder traurig wäre.
– Und für diese Glückseligkeit danke ich alle Tage meinem Schöpfer, und wünsche sie von Herzen jedem meiner Mitmenschen.”

Nicht nur Wolfgang Amadeus Mozart, sondern es sind viele,
die mit dem Tod anders umgegangen sind.
Ich erinnere mich an ein Gedicht, das ich auf der Universität gelernt und worüber ich eine Arbeit geschrieben habe.
Das war ein englisches Gedicht von Emily Dickinson.
Sie schreibt:
„Der Tod, da ich nicht halten konnt, hielt an, war gern bereit.
Im Fuhrwerk saß nun er und ich und die Unsterblichkeit….“

Ja, es ist eine hohe Kunst, mit dem Tod so vertraut umzugehen,
als wäre er ein alter Bekannter!
Es ist eine hohe Kunst im Umgang mit der Sterblichkeit,
mit der eigenen und der anderer Menschen,
die einem am Herzen liegen, dass vom Tod
die Dankbarkeit für das Leben erwächst,
dass das Leben durch den Tod erst wertvoll wird.
Das kann man möglicherweise nur sagen,
wenn man nicht um einen Menschen trauert.

Wenn ein Ehepaar sich in Liebe zugetan war und einer der beiden stirbt,
wenn ein Kind zutiefst unter dem Verlust der Eltern leidet,
wenn Eltern auf tragische Weise ihr Kind verlieren,
wohl dem, der oder die dann so frei und gelassen sprechen könnte wie Mozart oder Emily Dickinson.

Es ist für den Menschen in der Regel unglaublich schwer,
einen anderen geliebten Menschen der Erde zu übergeben.
Aber da hilft der Glaube an Gott.
Da hilft die Auferstehung Christi.
Die Jünger haben es erfahren, dass Jesus nach dem Tod lebt.
Sie haben diesen Glauben und diese ihre persönliche Erfahrung an Menschen, die gerade Hoffnung und Stärkung brauchen, weiter gegeben, als Verkündigung, als Schrift.
Die Kirche tut das heute in ihren Sakramenten. Sie verkündet, dass das Leben mit Christus kein Ende hat.

“Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du zurück”, so beten wir in der Liturgie des Begräbnisses.
Das ist kein altes Ritual… und auch kein sinnloses Ritual…
Dieser Satz sagt uns, dass jeder Mensch von Gott gekommen ist,
und zu Gott zurückkehren wird.
Dazu müssen wir nur eines tun;
wie es im heutigen Evangelium heißt, an Gott und seinen Sohn glauben. Alle, die den Sohn sehen und an ihn glauben, werden das ewige Leben haben und Gott wird sie auferwecken am Jüngsten Tag. Diesen Glauben müssen wir immer wieder erneuern und stärken.
Meine Lieben, dieser Tag sagt uns noch etwas:
Wir wollen heute unsere Dankbarkeit ausdrücken für all das Gute, das die Verstorbenen gewirkt haben.

Wir wollen aber auch verzeihen und barmherzig sein,
wenn wir durch Verwandte, Freunde und Bekannte,
die uns im Tod vorausgegangen sind, verletzt worden sind.

Und ganz besonders wollen wir mit diesem Gottesdienst unsere Hoffnung ausdrücken,
dass Gott allein das letzte Wort über einen Menschen spricht und
dass sich der Herr aller Dinge seiner Geschöpfe annimmt.

Wir wollen mit diesen Gedanken diesen Tag begehen.
Gott segne uns und unseren lieben Verstorbenen.
Amen.

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