2. Sonntag der Osterzeit – Apg 2, 42-47_1Pet 1, 3-9_Joh 20, 19-31

ThomasEinführung:
Jesus hatte Erbarmen. Durch sein Erbarmen hat er Menschen geheilt,
ihnen geholfen. Auch Apostel Thomas erlebt dieses Erbarmen –
den heilenden Christus – persönlich.
Heute feiern wir den Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit.
‚Das großes Erbarmen Gottes’ – das ist das Thema des Sonntags.
Erbarmen ist göttlich, aber nicht nur Gott soll Erbarmen zeigen.
Auch wir sind dazu verpflichtet, einander zu Erbarmung zu schenken,
einander zu heilen und zu helfen.
Christus ist auch hier in unserer Mitte.
Auch wir können ihn, wie Thomas, berühren.
Wir können ihn sogar empfangen. Dafür danken wir ihm:

Predigt:
Kinder sind lieb. Aber manchmal können sie auch sehr unangenehm sein.
Sie können quengeln und schreien, wenn sie etwas erreichen wollen.
Dies sind ihre „Waffen“.

Als Kind war ich nicht anders. Übrigens, ich habe nicht diese,
sondern eine andere Methode angewandt. Das war der Hungerstreik.
Um etwas zu erreichen, habe ich auf das Essen verweigert.
Ich muss aber ehrlich sagen, dass diese Aktion oft keine Wirkung hatte.
Nach gewisser Zeit musste ich meinen Hungerstreik beenden,
weil der Hunger mächtiger war als mein Wunsch.
Aber trotzdem, so konnte ich zumindest meine Proteste zum Ausdruck bringen.

Ja, der Mensch kann wirklich stur sein.
Nicht nur die Kinder, auch erwachsene Menschen haben hier ihre Methoden.

Der Apostel Thomas war solch ein Mensch.
Er hatte auch ein Ziel. Er wollte Jesus sehen und hielt stur daran fest.
Das war sein Glück.
Denn das Ziel hier war etwas absolut ‚Positives’.
Aber Sturheit gegen Gott hätte auch schief gehen können.
In der Bibel findet man hierfür genug Beweise.
Das beste Beispiel ist das Volk Israel:
Menschen, die in der Wüste unterwegs waren, erhoben sich in ihren Unmut gegen Gott und Mose. Sie zeigen ihre Unzufriedenheit und wurden von Gott bestraft.

Thomas hatte aber ein besseres Ziel –
auch wenn die Umstände nicht optimal waren.
Aber er wollte Jesus sehen. Er wollte Jesus persönlich erfahren.
Dieser Wunsch war, nach der jüdischen Tradition, eine unmögliche,
ja fast lebensbedrohliche Sache.
Aber es war trotzdem korrekt – zumindest nach der Lehre Jesu.
Erinnern wir uns an die Frage Jesu:
„Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“. (Mt 16,15)
Und Petrus antwortete: ‚Du bist der Messias’.

Ja, Jesus war zufrieden, er spürte das tiefe Bedürfnis,
das durch die persönlichen Erfahrung mit ihm gewachsen war.
Nun, wenn Thomas, nach der Auferstehung Jesu – nach dieser chaotischen und unwirklich scheinenden Situation – um eine persönliche Erfahrung mit Jesus Sehnsucht hat, dann war dies nicht falsch.
Trotz der Hartnäckigkeit seines Jüngers zeigt Jesus großes Verständnis.

Zeit Lebens sind wir immer mit Herausforderungen konfrontiert.
Angst, Zweifel und Dunkelheit können uns hin und her werfen.
Aber wir können in allen kritischen Situationen gewinnen,
wenn wir nur konsequent das Ziel verfolgen.
Wir können etwas erreichen, wenn wir tiefe Sehnsucht empfinden.
Der Apostel Thomas ist ein Beispiel dafür.
Er sagt, man kann sogar Gott herausfordern,
wenn die Sehnsucht groß und echt ist.
Nicht nur Mose, Jakob, David, sondern jeder kann dies mit Erfolg tun.
So lehrt uns Thomas heute.
Grundbedingung aber ist ein echter und aufrichtiger Glaube.
Dann wird Gott auch vor uns erscheinen und sich berühren lassen.
Ich wünsche uns allen diesen ehrlichen Glaubensmut.
Gott segne uns. Amen!

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