Togetherness
Herz-Jesu oder Kruzifix: Ja, Jesus wird von uns auf unterschiedliche Weise dargestellt. Die ersten Christen taten dies unter den Zeichen Fisch (ichthys) oder Lamm. Eine weitere Darstellung war die vom guten Hirten, man hatte sie in einer Katakombe gefunden. Dieses Bild verbindet uns mit dem Gleichnis Jesu, das vom verlorenen Schaf erzählt. Der Hirte ließ 99 Schafe zurück und suchte nach den einen. Er war froh, als er dieses Schaf wiedergefunden hatte. Als ich das Evangelium von Thomas und seiner Verzweiflung gelesen habe, kam ich auf den Gedanken, dass Jesus dem Thomas als der gute Hirte begegnete – er hatte ihn wiedergefunden.

Auf die Frage, warum Thomas nicht in der Gemeinschaft der Jünger war, gibt es keine Antwort, sondern nur Spekulationen.
Aber die Wahrheit ist, dass es immer wieder Menschen gibt, die sich aus irgendeinem Grund in einer Gemeinschaft nicht wohl fühlen und ihr deshalb fern bleiben.
Auch Thomas war nicht in der Gemeinschaft, als Jesus zu den Jüngern kam. Später tauchte er wieder auf und stellte seine Fragen.
Was sagt uns das?
Wenn sich jemand einer Gemeinschaft nicht verbunden fühlt, bekommt er auch nicht mit, was sich da gerade abspielt. Und wenn er diese Erfahrung nicht gemacht hat, ergeben sich für ihn viele Fragen.
Was die anderen erzählen wird ihm wie ein Märchen erscheinen, weil ihm die konkrete Erfahrung fehlt…
Thomas war genau in dieser Lage und deshalb wurde er hartnäckig.

Wir dürfen nicht vergessen, dass sich die Vergangenheit von Thomas von der Vergangenheit der anderen unterschied. Er war außer Petrus einer der mutigsten Jünger Jesu. Im Johannes 11, 16 lesen wir: „Da sagte Thomas, genannt Didymus, zu den anderen Jüngern: Lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben.“ Bereits zu diesem Zeitpunkt war er sicher, dass Jesus bald sterben wird und dass auch sie den gleichen Weg zu gehen haben.
Er war der einzige, der von dem Sterben Jesu eine klare Vorstellung hatte. Wir wissen, dass Petrus in einer ähnlichen Situation zu Jesus sagt: „Herr, das darf nicht mit dir geschehen“ (Mt 16, 22)
Das bedeutet, Thomas war ein starker Jünger Jesu.
Trotzdem, die Dramatik mit dem Leiden und Sterben Jesu ließ ihn zu einem schwachen Menschen werden. Nicht nur er, auch alle anderen hatten große Furcht. Es gibt zwei Möglichkeiten wie man mit der Angst umgehen kann, man verschließt sich oder – man sucht die Gemeinschaft. Thomas blieb alleine… War das Enttäuschung, Verwirrung oder wollte er etwas für die Jünger erledigen? Das wissen wir nicht…

Obwohl Thomas diese wichtige Begegnung mit Jesus verpasst, erfährt er ihn als den Herrn und Gott, als den guten Hirten, der voller Liebe und Barmherzigkeit zu ihm kommt. Jesus kritisiert seinen Unglauben, aber lässt sich von ihm berühren und führte ihn so zum Glauben.
Ja, Jesus der gute Hirte führte diesen ungläubigen Thomas wieder in die Gemeinschaft zurück. Jetzt spürt er, dass man nur in einer Gemeinschaft Gott lebendig und hautnah erfahren kann.

Man hört in dieser Zeit der Corona-Pandemie manche Leute sagen:
„In dieser Zeit haben wir doch auch ohne Gemeinschaft unseren Glauben gefeiert. Uns hat nichts gefehlt… Also brauchen wir die Gemeinschaft nicht unbedingt…“ Aber meine Lieben, wenn wir so denken, dann gibt es zwischen uns und Thomas keinen Unterschied. Dann gehen wir genau wie Thomas in eine falsche Richtung.
Die Erfahrung von Thomas sagt uns doch, dass eine Gemeinschaft wichtig ist. Denn nur in dieser Gemeinschaft können wir den lebendigen Christus erleben. Nur dann können wir mit seinem Leib und seiner Liebe in Kontakt kommen. Selbstverständlich haben wir wie Thomas in dieser Corona-Zeit viele Fragen… Wir zweifeln und fühlen uns oft alleine in der Ungewissheit. Aber wenn wir uns dem Herrn zuwenden, werden wir ihn als den tröstenden und ermutigenden Gott erleben. Denn er ist der gute Hirte. Auch wir brauchen in diesen Tagen dieses Bild Gottes, das unsere Verzweiflung und Ängste verwandeln kann. Seine Barmherzigkeit möge uns begleiten. Amen!

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