Menschen, die die Kirche verlassen und ihren Glauben aufgeben, haben immer einen Grund um sich zu rechtfertigen. Oft geben sie sogar dem Bischof, einem Priester oder auch einer kirchlichen Einrichtung die Schuld. Sie sprechen von Seelsorgern, die in Luxus leben oder sich zu wenig um die Gläubigen kümmern.
Auch eine Kirche, die nur Geld hortet und auf ihrer Autorität besteht, wird als Grund angeführt.
In allen Fällen aber haben der oder die ‚Anderen’ die Schuld an dem Glaubensverlust oder gar dem Kirchenaustritt.

Selbstverständlich haben die Seelsorger und ebenso die Kirche ihre Vorbildfunktion. Aber sind sie wirklich für mein Leben und meine Überzeugung verantwortlich? Ist mir mein Glaube nur so viel wert?
Die Kritiker, so sollte man meinen, sind doch Menschen mit Vernunft und der Begabung hier zu differenzieren.
Wo sind diese Fähigkeiten geblieben, wenn sie von einzelnen Skandalen hören? Diese Frage stelle ich mir sehr oft…

Meinungen und Ratschläge von Anderen einzuholen ist vollkommen in Ordnung. So bekommen wir oft erst ein vollständiges Bild.
Aber die Medien spielen heute eine enorme Rolle als Meinungsbildner.
Die meisten von uns wissen, dass jede Zeitung, jeder Radiosender oder jeder Fernsehkanal seine eigene Strategie verfolgt. Sie sind in der einen oder anderen Weise stets mit einer Ideologie und einem Leitbild verbunden.
Sie sehen und interpretieren jede Information durch diesen Filter.
Und man kann selten behaupten, dass diese Informationen einer authentischen Meinung folgen.
Sei es durch die Medien oder von einzelnen Menschen –
oft hören wir nur halbe Wahrheiten…
oder Wahrheiten nach dem eigenen Geschmack.
Oft hören wir auch nur das, was wir hören wollen…

Jesus wusste um diese Tatsache.
Darum fragt er im heutigen Evangelium nach Meinungen.
Zuerst will er wissen, was die anderen über ihn sagen.
Und die Antworten waren verschieden – das war auch damals schon so.

Die richtige Antwort, die Jesus zu hören hoffte, war aber nicht dabei.
Und er bekommt sie schließlich von Petrus.
Warum konnte Petrus als Einziger die richtige Antwort geben?
Nur er kannte Jesus wirklich, nur er hatte ihn überall hin begleitet.

Aber auch dieser große Zeuge des Messias scheiterte – als Jesus ihn wirklich brauchte, hat er seinen Meister und Gott verleugnet.
Ja, meine Lieben, auch das ist Teil der Jüngerschaft.
Auch das gehört zum Christsein.
Auch ein tiefgläubiger Mensch kann hier Fehler begehen.

Wir bezeugen Jesus als unseren Herrn und Gott.
Aber auch wir sind ‚nur’ Menschen.
Es wird auch Zeiten geben, in denen wir uns verstecken,
wenn vielleicht unser Leben bedroht ist.
Aber eine richtige und tiefe Überzeugung wird niemals sterben…
Das lehrt uns Petrus durch sein Leben.
Denn er konnte seine Fehler erkennen und seine Überzeugung wieder kund tun. Das war seine Stärke. Denn seine Meinung zu Jesus war so gefestigt, weil sie auf seinen persönlichen Erfahrungen beruhte.

Was ist unsere Meinung über Christus?
Sind wir wegen eines Priesters hier?
Oder sind wir Christen aus der eigenen und starken Überzeugung?

„Wer bin ich für dich“: Jesus fragt uns heute.
Was wird unsere Antwort heute sein? Verlieren wir unseren Glauben, wenn manche Dinge anders als gedacht verlaufen?
Oder finden wir Mut und Antwort in unserem Glauben?

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