Brave step
Einführung:
In den heutigen Lesungen hören wir von Heilungen und etwas über Dankbarkeit: Die Eucharistie ist, wie der Begriff schon sagt, eine Form der Danksagung. Für viele Gläubige ist sie leider Gottes eine Sonntagspflicht geworden: Aber sie ist keine Pflichtübung, kein besonderes Kirchengebot; nein:
Eucharistie ist eine Danksagung an Gott selbst – für all das,
was uns Menschen in und durch Christus geschenkt wurde.
In diesem Sinne wollen wir auch heute diese Dankfeier begehen.

Predigt:
Wir erziehen Kinder dazu sozial und höflich zu sein.
Wir lehren sie ‚bitte‘ zu sagen, wenn sie etwas möchten oder ‚danke‘, wenn sie etwas bekommen.
Es klingt zunächst ganz vernünftig.
Aber das hat auch eine andere Bedeutung.
Wenn sie zu anderen ‚bitte‘ oder ‚danke‘ sagen,
dann akzeptieren sie, dass sie dies oder jenes nicht alleine schaffen können und für manche Dinge
die Hilfe von anderen brauchen.

Im Evangelium hören wir von der Heilung der zehn Aussätzigen. Neun von ihnen, die unterwegs geheilt wurden, kehren nicht um. Nur einer, ein Samariter kehrt zu Jesus zurück um ihm zu danken.
Wir interpretieren oft, dass die neun, die nicht umkehrten, undankbare Menschen sind.
Aber nach dem jüdischen Gesetz hatten sie sich richtig verhalten. Denn es war üblich, dass, wenn einer vom Aussatz befreit ist,
sich zunächst einem Priester zeigen musste.
Der Priester bestätigte dann, dass er genesen ist.
Der Samariter, aber war kein Jude und musste daher dieser Vorschrift nicht folgen.
Ja, laut Gesetz haben die neun, die nicht umkehrten, richtig gehandelt. Aber dennoch stellt sich für uns die Frage,
ob das in Ordnung war?

Denn, diese Menschen hatten gerade ein großes Wunder erlebt.
Der Aussatz war eine überaus ansteckende Krankheit…
Heute haben wir dagegen gute Medikamente,
dennoch bleibt er eine erschreckende Krankheit…
Die mit dieser Krankheit geschlagenen wurden isoliert;
sie kamen in eine andere Welt, ja sie wurden allein gelassen.
Ihr gesellschaftliches Leben ging damit zu Ende…

Wir kennen die Geschichte des Heiligen Damian, der auf der Insel Molokai sein Leben für die Leprakranken aufopferte,
der sich schließlich auch mit der Krankheit infizierte und daran starb. Seine Geschichte ist die eines überaus mutigen Menschen.

Auch Jesus zeigt im Evangelium großen Mut…
Aber die neun Geheilten stellten die religiösen Vorschriften über den Mut zur Dankbarkeit. Sie dachten in diesem Moment nicht mehr an den, der ihnen diese Heilung schenkte,
sondern denken nur an die Vorschrift. Sie waren nicht frei.

Der Samariter aber war nicht an diese Vorschriften gebunden und so erkannte er, dass Jesus die Quelle seines Heiles und seines Lebens ist. Dankend nimmt er sein neues Leben an und
kehrt zu ihm zurück.

Das Evangelium sagt uns, dass sich viele Menschen an die Gesetze gebunden fühlen. Das erleben wir auch in der heutigen Zeit und nennen das Bürokratie…
Gesetze und Regeln sollten den Menschen dienen, aber oft machen sie viele von uns abhängig und mutlos.
Der Samariter erkennt, dass nicht das Gesetz, sondern Christus der Herr des Lebens ist und nur er Leben und Heil schenken kann.
Er war dankbar und mutig genug nach dieser Erkenntnis seinen Lebensweg zu ändern.
Er erkennt Jesus an als den Priester und gibt Gott die Ehre…

Wie wir hören interessiert Jesus sich auch für die Abwesenden.
Das ist sehr wichtig…
Auch bei uns in der Kirche vermissen wir die Menschen,
die irgendwie Gott erfahren haben, aber nicht zu ihm zurückkehrten,
sich nicht zu ihm bekannt haben…
Manchmal wurden auch sie durch Gesetzte und Vorschriften gehindert.
Ich denke, wir alle müssen uns ernsthaft Gedanken machen,
wie wir sie wieder zu Jesus zurückholen können.
Denn Jesus hat uns dazu berufen ‚Menschenfischer‘ zu sein…

Können wir mit unseren Vorschriften Menschen gewinnen?
Oder erschrecken wir sie damit?
Schenken wir solchen Menschen Mut einen anderen Weg zu wagen?
Suchen wir die Verlorenen?

Jesus schenkt dem Fremden große Anerkennung…
Er sah nicht auf Äußerlichkeiten, er sah auf sein Herz.

Auch wir sollten es lernen, nicht immer auf
Prozentzahlen zu schauen, sondern uns freuen über die,
die mit uns auf dem Weg sind.
Denn Gott wirkt auch durch die Schwachen und die Kleinen.
Wir bitten um Mut, um unsere Strategien zu ändern,
damit wir Menschen gewinnen können,
auch ohne uns gegen Gesetze zu stellen

Wir müssen ein Feingefühl entwickeln,
um die richtigen Dinge zu tun.
So können wir wie der Samariter, Christus
einen würdigen Platz schenken und
mit ihm gemeinsam unseren Lebensweg gehen.
Gott segne uns dazu. Amen!

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