Mission SundayEinführung:
„…denn sie werden Erbarmen finden“ (Mt 5,7). Das ist das diesjährige Leitwort der Missio-Aktion. Und wir begehen gleichzeitig den 90. Weltmissionssonntag. Weltmissionssonntag soll man aber nicht nur auf einen bestimmten Tag einengen. Er soll vielmehr eine Erinnerung sein an den Auftrag, der unser ganzes Leben prägen sollte. Wenn es uns gut geht, sollen wir an unsere Mitmenschen denken, uns gegenseitig stützen und zusammenwachsen. Im Kyrie bitten wir um die Barmherzigkeit Gottes:

Predigt:
Auch wenn es eine große Vielfalt an unterschiedlichen Typen von Menschen gibt, so können wir trotzdem die Menschen in ihrer Gesamtheit in zwei Gruppen einteilen:

Menschen die genug (viel) haben und Menschen, die zu wenig haben.
Und dies nicht nur aus finanzieller Sicht – man kann diese Tatsache auf alle Bereiche des Lebens anwenden.
Entweder haben Menschen genug zum Leben oder sie leiden Not.

Im Alltag nennen wir solche Menschen reich oder arm.
Reich zu sein ist an sich keine Sünde. … arm sein ist auch keine Tugend.
Man kann reich sein und gleichzeitig ein gutes, geordnetes Leben führen.
Man kann arm sein und dabei neidig und unzufrieden leben.
Reich ist jeder, der um seine Ziele zu erreichen keinen anderen als Opfer und Objekt benutzt.
Reich ist jeder, der bereit ist, sich selbst für seine eigenen Ziele einzusetzen.
Reich ist jeder, der auch den anderen gut findet…
So gesehen kann jeder Mensch reich oder arm sein…

Im heutigen Evangelium hören wir von zwei Männern.
Der eine war ein Pharisäer. Er begann sein Gebet, völlig richtig, indem er Gott dankte – aber dann beging er ein Fehler…
Sein Blick wandert von sich selbst, weg von seiner Seele hin
zu „anderen Menschen, wie Räubern, Betrüger, Ehebrecher
oder auch wie dieser Zöllner dort“. Dies war sein fataler Fehler…
Denn nun füllte sich sein Herz mit Stolz. Dankbarkeit ist keine mehr vorhanden…
Der Pharisäer war gekommen um zu beten, aber sein Gebet hat ihn nicht besser gemacht. Denn alles was er zuvor im Namen der Gesetze und im Namen Gottes getan hat, hat dadurch an Wert verloren…

Der Zöllner aber, der in den Augen vieler Israeliten ein Sünder ist,
handelte richtig. Er ging in den Tempel um für seine Sünden um das Erbarmen Gottes zu bitten. Er wusste, dass er die Vergebung Gottes braucht und dafür öffnet er sein Herz…
Jesus sagt, dieser Zöllner hat Gottes Erbarmen gefunden…

Jesus rechtfertigt den Zöllner nicht weil er etwa den Pharisäer gering schätzt. Nein. Jesus hatte viele Anhänger aus jedem Stand. Aber er hatte sie nie nach ihrem Besitz beurteilt. Es ist wohl wahr, dass er manchmal gegen die ‚Reichen‘ sein Wort erhob. Aber er hat niemand von seiner Anhängerschaft ausgeschlossen. Er pflegte Kontakt zu allen Menschen…
Er war ein guter Ratgeber sowohl für Reiche als auch für Arme.
So wurden Nikodemus, Levi, Simon der Pharisäer, Synagogenvorsteher Zachäus, Johanna, die Frau eines Beamten des Herodes und
Josef aus Arimathäa seine Freunde und Jünger.
Ja, Besitz war kein Hindernis um ein Jünger Jesu zu sein.

Am heutigen Sonntag der Weltmission, helfen wir den Menschen auf den Philippinen. Dadurch sagen wir; wir besitzen etwas und
diesem Reichtum teilen wir, damit es euch besser geht.
Auch Jesus war gut zu den Armen. Viele seine Anhänger waren Fischer oder Hirten. Sie folgten Jesus mit Freude,
weil Jesus in einer ihnen verständlichen Sprache lehrte.
Er war ihnen ganz nah und immer erreichbar…
Er hat sie alle geliebt und hat allen geholfen…
Und er war absolut unparteiisch, wie wir in der Lesung (Sir 35, 15b-17.20-22a) gehört haben.

Im heutigen Evangelium hören wir aber auch, dass Gott auf die Herzen der Menschen achtet. Gott sah sowohl die Liebe des Zöllners, als auch den Stolz des Pharisäers. Und die Liebe des Zöllners wurde belohnt…
Gott sieht auch in unsere Herzen. Er schenkt uns viele Gelegenheiten Menschen mit Barmherzigkeit und Liebe zu begegnen. So auch am heutigen Sonntag der Weltmission. Wir wollen andere nicht verurteilen, sondern ihnen nach Kräften helfen.
Mögen Menschen durch uns das Erbarmen Gottes erfahren…
Gott segne uns! Amen!
— Thomas Kalathil

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