God becomes an Experience„Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Wir haben eben diesen Satz im Evangelium gehört. Elisabeth lobt Maria, weil Maria sie ohne eine extra Einladung besucht. Ja, Maria hat spontan entschieden, ihrer hochbetagten Verwandten Elisabeth in ihrer Not zu helfen. Maria war selbst auch in Not, aber sie sieht, dass Elisabeth jetzt ihre Hilfe braucht und sie handelt.
Augen aufmachen, jetzt handeln; ja, dies waren die besonderen Eigenschaften der Mutter Christi. Das sehen wir nicht nur hier, sondern auch bei der Hochzeit in Kana oder auch am Pfingsttag.
Maria ist religiös. Aber ihre Religiosität macht sie nicht blind und passiv, sondern sie schöpft aus ihrem Glauben die Kraft, Menschen in Not zu helfen. Dasselbe sehen wir auch in ihrem Sohn, Jesus.
Auch er ist bereit, Menschen zu heilen und zu retten, obwohl es viele Hindernisse gab. Gottes Geist sollen wir nicht nur im Gebet erleben, sondern auch aktiv in unserem Leben sichtbar machen. Das ist die größte Lehre Mariens.

Elisabeth wundert sich, weil Maria sie besucht. Die Mutter des Herrn ist Gast bei Elisabeth. Aber es gibt ein noch größeres Geheimnis: Der Herr selbst ist da, auf der Erde. Er wächst in einem menschlichen Leib mit menschlicher Gestalt heran. Er übernimmt die menschliche Gestalt seiner Mutter Maria. Ja, das ist, meine Lieben, ein noch größeres Wunder. Und weil er zu uns kommt, will er alles in Gott erneuern.

Er ändert auch manche Weltordnung: Ja, das sehen wir in den Ereignissen ganz klar. Zunächst Elisabeth: Eine hochbetagte Frau, empfängt einen Sohn. Dieser Sohn, Johannes, wird später als Johannes der Täufer Menschen auf Gott hinweisen, sie auf den Weg zu Gott bringen.
Dann Maria: Eine Jungfrau wird Gottes Sohn auf die Welt bringen. Später, wenn dieses Kind – Jesus – erwachsen ist, tut er noch mehr Wunder. Er heilt Menschen, umarmt die Ausgeschlossenen, er kritisiert die unmenschliche Praxis der Religion… Ja, mit Jesus Christus kommt eine Erneuerung.
Er bringt eine neue Weltordnung.

Die Menschen der Oberschicht werden Christus nicht verstehen oder sie bemühen sich nicht, ihn zu verstehen. Aber seine Lehre ist verständlich für die Armen und Schwachen. Denn das ist eine Weltordnung der Machtlosen und der Kleinen, die Gott suchen.

Ja, Gott sucht die Kleinen für seine Arbeit. Das ist die Botschaft der Bibel. Sie zieht sich durch alle Zeiten, von der Berufung des Abraham bis zur Offenbarung des Johannes. Gott bekommt in diesen kleinen Menschen einen Raum, um zu wirken. Diese kleinen Menschen hören die Stimme Gottes auch deshalb, weil ihr Glaube stärker als ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse ist. Sie setzen ihr Vertrauen auf Gott und glauben an seine begleitende Anwesenheit.

Maria, Elisabeth und auch der Prophet Micha sind Zeugen für diese besondere Berufung Gottes. Gott kann durch uns noch Wunder wirken. Dazu zählt nicht unsere äußere Größe, sondern unsere innere Größe und Bereitschaft.

Meine Lieben,
es sind nur noch wenige Tage bis zu diesem wichtigen Fest –
Weihnachten steht vor der Tür.
Sind wir bereit, unser Leben „klein anzufangen“?
Sind wir bereit, unserem Gott großen Raum zu geben?
Können wir ihn großzügig willkommen heißen?

Dann werden wir, wie Maria, Gott in die Welt tragen. Dann können wir ihn überall lebendig verkünden. Gott segne uns, seine Zeugen zu sein. Amen!


— Thomas Kalathil

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