saving hands or stoning handsEinführung:
„Durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld…“
So beten wir im Schuldbekenntnis und schlagen uns an die Brust.
Das heißt: wir wissen, dass wir schuldige Menschen sind…
Aber, seien wir realistisch, es ist nicht einfach zuzugeben,
dass wir Schuld haben…
Oft geben wir anderen die Schuld… Ist es nicht so? …
Aber – Gott wird uns nicht bestrafen, wenn wir uns vor ihm bekennen und um sein Erbarmen bitten: Herr, erbarme dich unser.
Das tun wir nun im Kyrie:

Predigt:
Als ich mit den Gedanken über die Sünderin und die Menschenmenge, die, um sie zu steinigen gekommen war, beschäftigte, klingelte mein Telefon. Am anderen Ende war eine mir bekannte Stimme.
Sie spricht normalerweise freundlich und interessiert.
Aber an diesem Tag merkte ich, dass sie unter etwas leidet…
Diese Frau erzählte mir, dass sie von ihren Freunden verleumdet und
tief verletzt wurde.
Ihre Freundschaft und Gutmütigkeit wurden falsch interpretiert.
So etwas hatte sie von ihnen nicht erwartet…
Nachdem ich mir ihre Geschichte angehört hatte, sagte ich:
„Macht dir keine Sorgen. Gott wird für dich da sein. Denk daran, wer
andern eine Grube gräbt, fällt irgendwann selbst hinein.“…

Ich denke, ich konnte sie einigermaßen trösten und stärken…

Ja, unsere Welt hat sich verändert.
Es sind viele Menschen, die zunächst Liebe zeigen, unser Vertrauen gewinnen,
aber in Wirklichkeit sind sie unaufrichtig…
So etwas zerstört unsere Beziehungen. Es wächst Unmut und Misstrauen, weil es schwieriger wird jemand Vertrauen zu schenken. Meine Gedanken sind in diese Richtung gegangen…
Und hier kam mir der Satz aus dem heutigen Evangelium in den Sinn: „Auch ich verurteile dich nicht“…

Ein kurzer Satz, aber so machtvoll.
Dieser Satz hat mir geholfen und mich getröstet…
Ich denke, viele von uns wünschen sich, wie die Frau im Evangelium,
diesen Satz zu hören…
Nicht nur von Gott, auch von den Mitmenschen…

Warum wurde Jesus in seiner Zeit verleumdet?
Gerade er wollte doch niemanden verurteilen…
Und paradoxerweise wurde er immer wieder zur Zielscheibe der Kritik.
Seine Feinde kamen zusammen,
dachten sich neue Anschuldigungen gegen ihn aus,
schmiedeten Pläne um ihn zu beseitigen.
Auch das Ereignis mit der Sünderin war solch eine geplante Angelegenheit…
Nicht allein diese Frau und ihre Verfehlung waren das Thema,
sie wurde benutzt um Jesus in eine Falle zu locken.
Sie wurde ihrer Ehre beraubt. Sie stand als alleinige Sünderin da…
Nun, kann eine Frau alleine Ehebruch begehen?
Wo ist der Mann mit dem sie die Ehe gebrochen hat?
Wo sind das Recht und die Gerechtigkeit für die Schwachen?
Da stimmt etwas nicht…
Aber nicht nur damals, auch heute haben die Starken ihre Verteidiger und Helfer, ja sogar Retter…
Und die Wehrlosen werden zu Opfern…

So erging es auch dieser beschuldigten Frau.
Sie hatte keinen Verteidiger an der Seite…
So ging es auch der eingangs erwähnten Bekannten,
sie wurde das Opfer von einigen Menschen, die nach außen hin freundlich waren, sie aber letztlich verraten haben.

Ich sagte ihr, wir befinden uns gerade in der ‚richtigen Zeit‘-
denn die Fastenzeit erinnert uns an Jesus, an die Frau und
an die vielen Menschen,
die Zielscheiben von hinterhältigen und unehrlichen Menschen geworden sind…

Ihr sagte ich, dass sie ihren Feinden verzeihen muss und
im schlimmsten Fall diese Menschen einfach ignorieren soll.
Ich bete, Gott möge ihr Mut schenken ihren weiteren Weg zu gehen.

Ja, meine Lieben,
es gibt nicht nur Gerechte und Heilige in unserer Welt.
Es sind viele, die sich ein Opfer suchen…
Manchmal leider auch mit Freundlichkeit…

Aber die Fastenzeit will uns daran erinnern
stark zu sein und Verzeihung zu üben.
Denn Christus hat nicht nur der Frau Verzeihung geschenkt,
sondern er hatte außerdem seinen Feinden Erbarmen gezeigt.
Grenzenloses Erbarmen ist seine Besonderheit.

Klar, wir haben kein göttliches Charisma wie Jesus.
Aber wir sind lernfähig.
Als Menschen müssen wir uns immer wieder die Frage stellen:
Was hilft mir eigentlich?
Meine eigenen Fehler auszuräumen oder
die Fehler der anderen zu suchen und dabei Schadenfreude zu haben?
Wir sind nicht berufen uns über die Fehler anderer zu freuen.
Gott hat uns nicht die Hände gegeben, um auf die Fehler der anderen zu zeigen, sondern ihnen die helfenden Hände entgegen zu strecken.

Solche Menschen,
die einander ihre Hände reichen verändern die Welt.
Sie bilden dadurch eine gute Gemeinschaft und schenken Leben.

Jesus hat dasselbe getan.
Er kam in die Welt, um uns sein Leben zu schenken.
Wir sind seine Jünger. Lasst uns füreinander da sein,
einander helfen und im Notfall Menschen retten.
Wir wollen in echter Freundschaft leben und einander Aufmunterung schenken. Gott segne uns. Amen!

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