God of ToleranceMeine Lieben,
die Geschichte der Steinigung des heiligen Stephanus haben wir bestimmt schon oft gehört. Hier geht es in erster Linie um das Leiden der Jünger Christi, weil sie das Evangelium verkünden und viele damalige Gewohnheiten in Frage gestellt haben. Ich denke, darüber brauchen wir keine große Interpretation mehr. Deswegen gehen meine Gedanken heute in eine andere Richtung:

Wir hörten in der Geschichte des Stephanus über zwei Gruppen.
Einmal Stephanus, der für Christus Zeugnis abgibt und seine Gegner und zum anderen die Menschenmenge, die Zeugen gegen Stephanus und Saulus.

Wenn wir noch genauer hinschauen, erkennen wir etwas:
Beide Seiten vertreten gläubige Menschen.
Stephanus glaubte an Jesus, der viele Sitten der Juden damals kritisierte.
Aber diese Kritik war nicht der Hauptgrund für die Kreuzigung Jesu. Jesus lehrte und lebte eine neue Nähe zu ‚seinem Gott‘. Gott war kein Herrscher für ihn, sondern ein liebender Vater. Aber für die Juden war (und ist immer noch) Gott allmächtig und unantastbar. Auf diesem Grund konnten sie die Lehre Jesu nicht fassen.

Auch Stephanus verkündete diesen Gott. Er verkündete, dass er die Herrlichkeit Gottes sah. Er verkündete, dass er den geöffneten Himmel sah. Diese waren natürlich Gotteslästerung und die Größte Sünde für einen Juden. Dieses Bild passte nicht zu dem damaligen Gottesbild der Juden. Diese neue Lehre brachte Verwirrung bei den Gläubigen. Darum entschieden sie sich gegen Stephanus.

Stephanus, einer der sieben Diakonen der frühen Christen, hatte ein anderes Gottesbild. Er diente Menschen in ihrer Not. Gott war Liebe und Zuwendung für ihn. Gott war nahe in den vielen Menschen, dir er begleitete.
Seine Gotteserfahrung war stärker als die vielen Vorschriften der Juden.
Durch sein Engagement für Christus verkündete er den lebendigen Gott, der für die Menschheit nahe ist.

Hier erkennen wir die Gegensätze der beiden Gruppen.
Stephanus strahlte eine besondere Ruhe auch in Mitten seiner Verfolger aus, weil er diesen besonderen Gott, den stärkenden Gott, in seinem Leben erfahren hat.
Seine Gegner dagegen, waren unruhig und wütend.
Sie wählen den Weg der Gewalt und des Vernichtens aus.

In der späteren Geschichte des Sauls hören wir, dass er nach seiner Begegnung mit Christus für eine kurze Zeit erblindet war. Aber ich würde sagen, diese Menschen, auch Saulus, waren vorher ‚Blind‘, weil sie nur in ihrem Glauben die alleinige Wahrheit sahen.

Diese Geschichte der Verfolgung war leider nicht das einzige Geschehen in der Geschichte. Täglich – vor allem in unserer Zeit – hören und lesen wir viele solcher Berichte.
Wir werden uns dann fragen:
Religion soll den Weg zum Leben zeigen:
Aber woher kommt soviel Gewalt im Glauben?
Religion soll Menschen erleuchten:
Aber woher kommt soviel Dunkelheit in ihr?
Religion soll den Frieden verbreiten:
Aber warum sehen wir so viel Intoleranz in ihr?

Unsere Erfahrungen zeigen, jede extreme religiöse, gesellschaftliche, politische oder ideologische Haltung kann uns Menschen ‚erblinden‘ und rücksichtslos werden lassen. Mit dieser Einstellung sieht man nur seine eigene Rechte.
Alle anderen liegen dann falsch.

Braucht Gott solche Blindheit? Ist das der Zweck des Glaubens, auch wenn jede Religion unterschiedliche Wahrheiten lehrt? Will Gott Gewalt und Tod? Oder ist mein Gott, der Gott des Lebens, des Friedens und des Verzeihens?
Lehrt mein Glaube einander zu ertragen oder zwingt er mich wegen einer anderen Einstellung intolerant zu sein?
Gott schenke uns, unserer Welt, allen Gläubigen neue Erkenntnisse.
Er erleuchte uns und führe uns zum Leben und zum Frieden. Amen!

–Thomas Kalathil

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