Do not Judge
Einführung
Gibt es Menschen, die keine Fehler machen? Nein…
Wir wissen alle, dass wir unsere menschlichen Schwächen haben.
Aber wir haben die hoffnungsvolle Botschaft, Gott vergibt uns.
In seiner Barmherzigkeit können wir unsere Fehler erkennen und sie korrigieren. Für unsere Versagen bitten wir Gott um sein Erbarmen.

Predigt
Mahatma Gandhi ist nicht nur heute,
sondern bereits zu seinen Lebzeiten ein Vorbild gewesen.
Aus seinem Leben berichtet folgende Geschichte…

Es war in den 1930er Jahren…
Eine Mutter kam zusammen mit ihrem Sohn zu Gandhi
und sie hatte eine Bitte . Sie sagte:
„Bapu (heißt, Vater: so nennen die Inder ihn liebevoll),
mein Sohn isst zu viele Süßigkeit. Würdest du ihm bitte sagen,
dass er damit aufhören soll?“…

Gandhi hörte die Mutter an und erwiderte nach einer Zeit der Stille: Bitte kommt in zwei Wochen noch einmal zu mir,
dann werde ich mit deinem Sohn reden.“
Sie gingen nach Hause, warteten weitere zwei Wochen ab
und kehrten noch einmal zu Gandhi zurück
Dieses Mal blickte er auf das Kind und sagte:
„Kind, du musst aufhören zu viele Süßigkeiten zu essen.
denn sie sind ungesund.“

Der Bub versprach dies Gandhi und seiner Mutter…
Die Mutter war erstaunt und fragte ihn, warum er das nicht schon vor zwei Wochen gesagt hatte.
Gandhi antwortete ihr:
„Mutter, vor zwei Wochen habe auch ich gerne und zu viele Süßigkeiten gegessen.“

Sicher, Gandhi konnte dem Jungen auch gleich sagen, dass er sein Verhalten ändern soll. Aber Gandhi fand es nicht richtig ihm einen Rat zu geben, solange er selbst das gleiche Problem hatte.
Er hat zuerst seine Liebe zu Süßigkeiten aufgegeben,
dann konnte er das Kind mit gutem Gewissen korrigieren.

Gandhi war eine Ausnahme….
Die meisten Menschen denken anders.
Sie meinen, dass sie vollkommen, ja, dass sie die Besten sind. Jesus versucht solches Denken zu korrigieren.
Die Bilder, die er dazu benutzt, scheinen uns zunächst etwas übertrieben zu sein. Wer kann einen Balkan in seinem Auge haben? Das ist unmöglich, das wissen wir…
Aber seine Worte muss man vor seinem sprachlichen und kulturellen Hintergrund verstehen.
Seine Rede hat nur eine wichtige Bedeutung. Die heißt, statt unserer Neigung andere zu verurteilen Folge zu leisten, sollten wir einen Geist des Selbsturteils pflegen. Wenn wir unsere eigenen Fehler erkennen, werden wir auch anderen gegenüber barmherzig sein.

Wir sind berufen andere nicht zu urteilen, sondern ihnen zu helfen.
Diese Lehre Jesus erleben wir nicht zum ersten Mal im Evangelium.
Der Evangelist Johannes erzählt eine ähnliche Geschichte.
Als eine Frau zwischen Leben und Tod vor ihm stand,
sagte er zu der Menge, die sie steinigen wollte: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.“(Joh 8, 7)
Das war wie eine „Schocktherapie“ für die, die selbstgerecht vor Jesus standen.
Abschließend sagte Jesus zu der Frau: „Auch ich verurteile dich nicht…“
Jesus war ohne Sünde – also hätte er die Berechtigung gehabt über diese Frau ein Urteil zu sprechen. Aber er tat es nicht…
Denn er kam auf die Erde um Menschen retten nicht um sie zu verurteilen,

Und wir? Verurteilen wir andere gerne?
In unseren Gesprächen wird die dritte Person, die abwesend ist oft zum Thema…
So erleben wir es in der heutigen Gesellschaft.
Früher, als die Kommunikation nicht so dynamisch und modern war, hat man die Zeitungen gelesen, Radio gehört…
Aber heute, mit den neuen technischen Errungenschaften kann man sich aktiv in die Kommunikation einschalten,
miteinander diskutieren und seine Meinung äußern.
Das ist alles gut.
Aber wenn man die vielen üblen Kommentare liest,
die oft noch unter falschem Namen stehen, muss man erkennen,
dass es des Guten zuviel ist.
Man liest da manchmal gemeine Ausdrücke, ja sogar extremistische Gedanken.
In solchen Fällen gehen die Menschen respektlos miteinander um.
Ja, da erleben wir Menschen mit einem Balken im Auge…

Natürlich erhebt sich nun die Frage:
Was ist dann mit unserem Rechtssystem?
Darf man niemand mehr verurteilen?
Ich denke, hier muss man einen deutlichen Unterschied machen.
Denn in einem Rechtssystem geht es um andere Maßnahmen.
Eine Staat oder eine Institution braucht richtige Anweisungen um ein friedliches Leben miteinander zu ermöglichen.
Hier braucht es Regeln und auch Strafen.

Aber wenn Jesus sagt, dass man einen Menschen nicht verurteilen darf, meint er etwas anders.
Hier geht es um unmenschliche, oft hinterhältige Urteile,
die nur dazu dienen die betreffende Person zu verunglimpfen.

Hier geht es um respektlosen Umgang mit anderen…
Oft werden unsere Urteile verletzend, weil sie nicht einmal den Tatsachen entsprechen.

Jesus sagt uns, dass diese Mentalität falsch ist,
denn auch er hat niemanden verurteilt.
Er sagt, dass das Richten nicht seine Aufgabe ist,
das alleinige Recht hierzu hat sein himmlischer Vater.

Jesus weist uns heute darauf hin, dass wir in unseren Gedanken und Worten viel vorsichtiger sein müssen.
Genau das sagt uns auch die Geschichte von Gandhi und dem Kind.

Immer wieder müssen wir uns vor Augen halten, dass keiner fehlerfrei ist.
Bitten wir um Verständnis für andere.
Nur so können wir manche Missverständnisse und Verletzungen vermeiden.
Und bitten wir um Demut.

Gott segne uns und mache uns zu demütigen Menschen. Amen!

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