9. November – Weihetag der Lateranbasilika

Im Evangelium hörten wir von dem Geschehen der Tempelreinigung. Jesus überrascht mit seinem Eifer, ja mit seinen zornigen Handlungen alle Anwesenden, die Händler, aber auch fromme Juden. Dieser Tempel ist für ihn keine Markthalle, sondern das Haus seines Vaters, dessen sichtbares Zeichen auf Erden. Deshalb sehen wir Jesus so erregt und wütend – das einzige Mal überhaupt im Evangelium.

Ein Tempel war und ist etwas Besonderes. Er ist nicht nur ein Gebäude in verschiedenen Stilrichtungen oder ein Ausstellungsort von allen möglichen Kunstgegenständen. Er ist vielmehr ein Ort an dem man den Geist Gottes spüren kann. Das sagt uns die erste Lesung aus dem Buch Ezechiel. Hier sehen wir sehr viele Bilder, ja, wunderbare Bilder, die die Spiritualität und die Bedeutung des beschriebenen Tempels wiedergeben.

Das erste Bild zeigt, dass aus der Tempelschwelle Wasser hervorströmt. Es ist ein besonders Bild, denn so etwas hört man selten. Das Wasser ist hier ein Symbol für die Gnade, die aus dem Tempel in die Welt hinausströmt. Dieses Wasser oder diese Gnade bewirkt einiges im Lande Israel. so verwandelt es das salzige Wasser des Toten Meeres, es schenkt ihm Leben; das Wasser des Tempels heilt das salzige Wasser. Auch dies ist ein Symbol. Denn wissen-schaftlich gesehen ist diese Umwandlung nicht erklärbar. Aber hier kommt die ‘Gnade’ als Hilfe und erklärt uns, dass für Gott kein Ding unmöglich sei. Der Prophet Ezechiel lehrt uns, Gott ist stark genug um solche Wunder zu wirken.

Hier erfahren wir noch mehr über die wundersamen Einflüsse des Wassers – der Gnade. Denn wo es hinfließt wird alles gesund und gedeiht üppig.
Überall gibt es jetzt Leben; Fische, Früchte – ein Wachsen und Gedeihen im Überfluss.
Der Tempel ist gleich zu setzen mit der Gnade Gottes. Denn wo Gott ist, da wird auch seine Gnade und Macht spürbar. Der Prophet Ezechiel verkündet uns diesen Glauben.
Der Zorn Jesu regte sich auch, weil die Menschen dies damals vergessen hatten und den Tempel (ihre Umgebung) als Markthalle benutzten. Sie hatten die Bedeutung dieser heiligen Stätte nicht mehr wahrgenommen. Ihr alleiniges Interesse galt dem Handel und dem Verkauf. Sie rannten dem Geld und den Opfertieren hinterher, Gott und Gebet waren zur sekundären Sache geworden. Somit wurde der Tempelbesuch zu etwas Anderem als er sein sollte, nämlich dem Innehalten und Gott erfahren…

Leider ist es auch heute immer wieder zu erleben: Gott wird zum Verkaufsobjekt. Das merken wir vor allem in vielen Wallfahrtsorten und an manchen Gebetsstätten… Vielleicht ist es nicht ganz so chaotisch wie wir im heutigen Evangelium hören.

Wenn wir heute den Weihetag der Lateranbasilika feiern, dann sind wir eingeladen über unsere Vorstellungen von ‚Kirche’ nachzudenken. Denn in den ‚Gotteshäusern’ will Gott uns seine Gnade schenken, keine Andachtsgegenstände und heilende Wasser oder andere Mitbringsel.

Paulus geht noch ein Schritt weiter und sagt „ihr seid der Gottes Tempel.“ Das ist von noch größerer Bedeutung. Denn als Tempel Gottes sollen wir anders, ja bewusster leben. Wir sollen unser Leben in der Gnade Gottes einrichten. Dazu müssen wir uns aber von nicht göttlichen Elementen und Handlungen abwenden.

Die heutigen Lesungen stellen uns vor einige Fragen: Fühlen wir uns selbst als Gottes Tempel? Spüren wir Gott und seine Kraft in unserem Leben? Ist unsere Kirche ein Ort der Gnade für uns? Kommt Leben Gottes aus unseren Gebetsstätten? Können unsere Kirchen und Versammlungen Leben ermöglichen und Freude schenken? Können sie Menschen heilen und gesund machen?
Das sind Herausforderung für uns, meine Lieben. Denn ohne diese Erfahrungen können wir nicht zum Tempel Gottes werden.
Versuchen wir bewusst den Glauben zu leben. Versuchen wir die Tempel in uns zu spüren. Versuchen wir Gottes Gnade in uns und um uns herum zu suchen. Das wird uns Segen bringen, uns zu gesegneten Menschen machen. Gott segne uns alle dazu. Amen!

–Thomas Kalathil

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One thought on “9. November – Weihetag der Lateranbasilika

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