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Easter – C

Pfingsten – C – 2016

Heal us!Manchmal machen wir Komplimente und sagen:
„Du bist ein richtiger Kämpfer“! Wir verwenden immer wieder solche Begriffe um eine besondere Hingabe eines Menschen zu schildern oder auch um ihn zu ermutigen.

Kampfgeist ist sogar ein wichtiger Faktor, wenn man im Leben etwas erreichen und gewinnen will. Manchmal führt dieser aber auch zu einer gewissen Rivalität und sogar zu Gewalt. Rivalität zwischen Vereinen, Sportlern, Politikern, Mitarbeitern und Studenten sind einige Beispiele dafür. Hier kämpft jeder um den ersten Platz, um weiter zu kommen, um Ansehen zu gewinnen, um mehr Geld zu verdienen oder um besser zu leben.
Ja, es sind viele Gründe für solche Kämpfe.

Heute hören wir in der Kirche von einem anderen Geist, vom Heiligen Geist. Er ist anders als der Geist von dem ich vorher sprach. Er ist anders, weil er Gottes Geist ist. Er sucht keinen ersten Platz. Er will keine höhere Stellung. Finanzielle Motive sind ihm fremd. Er gibt allein Gott den Vorrang. Er will den Jüngern bei ihrer Verkündigung und in ihrem christlichen Leben helfen.

Diese Art des Geistes mag der Welt fremd vorkommen. Denn im ‚weltlichen Kampf‘ gibt es nur selten einen Platz der Begeisterung für das Gottes Reich, für göttliche Werte, für Gerechtigkeit, für Menschlichkeit und für Barmherzigkeit….

Manchmal sehen wir auch in den Kirchen dieses Ringen um Ansehen, Ruhm und ähnliches. Sogar kirchliche Spaltungen entstanden im Ringen um die ‚eigenen’ Wahrheiten und Einstellungen.
Hier müssen wir uns fragen, ob solche Kämpfe christlich sind?
Haben wir Christen in der Taufe einen Geist für Streitbereitschaft empfangen?
Christlicher Geist soll aufbauend, ja konstruktiv sein.

Aus dem Buch Genesis wissen wir, dass Gottes Geist schöpferisch ist. Er macht unsere Welt hell; er gibt der formlosen Erde ihre Form und Gestalt. Er erfüllt sie mit Leben und Freude.

Gottes Geist heiligt uns. Wenn wir Christus verlassen und für andere Dinge kämpfen, dann ist es ein fremder Geist, der seinen Platz einnimmt. Dann verschwindet diese heiligende und heilende Kraft von Gottes Geist aus unserem Leben.

Viele Menschen konnten am Pfingstfest die Reden der Apostel verstehen, weil der Geist Gottes, sowohl bei den Verkündern, als auch bei den Hörern wirksam war.
Sprechen wir eine Sprache, die alle verstehen können? Haben wir eine Sprache der Menschlichkeit und Herzlichkeit? Versuchen wir Menschen zu vereinen oder bauen wir Zäune im Namen Gottes?

Meine Lieben, wir haben in den letzten sieben Wochen, den auferstandenen Herrn gefeiert.
Welcher Geist führt uns in unserer Gemeinde? Der Streit um Selbstdarstellung oder um Ansehen? Oder arbeiten wir gemeinsam für die Menschen und für Gott? Lebt der Geist Christi in uns? Hat er uns mit seiner Freude geformt? Können wir seine Sprache sprechen? Gott segne uns. Amen!
Thomas Kalathil

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7. Sonntag der Osterzeit- C – Apg 7, 55-60

God of ToleranceMeine Lieben,
die Geschichte der Steinigung des heiligen Stephanus haben wir bestimmt schon oft gehört. Hier geht es in erster Linie um das Leiden der Jünger Christi, weil sie das Evangelium verkünden und viele damalige Gewohnheiten in Frage gestellt haben. Ich denke, darüber brauchen wir keine große Interpretation mehr. Deswegen gehen meine Gedanken heute in eine andere Richtung:

Wir hörten in der Geschichte des Stephanus über zwei Gruppen.
Einmal Stephanus, der für Christus Zeugnis abgibt und seine Gegner und zum anderen die Menschenmenge, die Zeugen gegen Stephanus und Saulus.

Wenn wir noch genauer hinschauen, erkennen wir etwas:
Beide Seiten vertreten gläubige Menschen.
Stephanus glaubte an Jesus, der viele Sitten der Juden damals kritisierte.
Aber diese Kritik war nicht der Hauptgrund für die Kreuzigung Jesu. Jesus lehrte und lebte eine neue Nähe zu ‚seinem Gott‘. Gott war kein Herrscher für ihn, sondern ein liebender Vater. Aber für die Juden war (und ist immer noch) Gott allmächtig und unantastbar. Auf diesem Grund konnten sie die Lehre Jesu nicht fassen.

Auch Stephanus verkündete diesen Gott. Er verkündete, dass er die Herrlichkeit Gottes sah. Er verkündete, dass er den geöffneten Himmel sah. Diese waren natürlich Gotteslästerung und die Größte Sünde für einen Juden. Dieses Bild passte nicht zu dem damaligen Gottesbild der Juden. Diese neue Lehre brachte Verwirrung bei den Gläubigen. Darum entschieden sie sich gegen Stephanus.

Stephanus, einer der sieben Diakonen der frühen Christen, hatte ein anderes Gottesbild. Er diente Menschen in ihrer Not. Gott war Liebe und Zuwendung für ihn. Gott war nahe in den vielen Menschen, dir er begleitete.
Seine Gotteserfahrung war stärker als die vielen Vorschriften der Juden.
Durch sein Engagement für Christus verkündete er den lebendigen Gott, der für die Menschheit nahe ist.

Hier erkennen wir die Gegensätze der beiden Gruppen.
Stephanus strahlte eine besondere Ruhe auch in Mitten seiner Verfolger aus, weil er diesen besonderen Gott, den stärkenden Gott, in seinem Leben erfahren hat.
Seine Gegner dagegen, waren unruhig und wütend.
Sie wählen den Weg der Gewalt und des Vernichtens aus.

In der späteren Geschichte des Sauls hören wir, dass er nach seiner Begegnung mit Christus für eine kurze Zeit erblindet war. Aber ich würde sagen, diese Menschen, auch Saulus, waren vorher ‚Blind‘, weil sie nur in ihrem Glauben die alleinige Wahrheit sahen.

Diese Geschichte der Verfolgung war leider nicht das einzige Geschehen in der Geschichte. Täglich – vor allem in unserer Zeit – hören und lesen wir viele solcher Berichte.
Wir werden uns dann fragen:
Religion soll den Weg zum Leben zeigen:
Aber woher kommt soviel Gewalt im Glauben?
Religion soll Menschen erleuchten:
Aber woher kommt soviel Dunkelheit in ihr?
Religion soll den Frieden verbreiten:
Aber warum sehen wir so viel Intoleranz in ihr?

Unsere Erfahrungen zeigen, jede extreme religiöse, gesellschaftliche, politische oder ideologische Haltung kann uns Menschen ‚erblinden‘ und rücksichtslos werden lassen. Mit dieser Einstellung sieht man nur seine eigene Rechte.
Alle anderen liegen dann falsch.

Braucht Gott solche Blindheit? Ist das der Zweck des Glaubens, auch wenn jede Religion unterschiedliche Wahrheiten lehrt? Will Gott Gewalt und Tod? Oder ist mein Gott, der Gott des Lebens, des Friedens und des Verzeihens?
Lehrt mein Glaube einander zu ertragen oder zwingt er mich wegen einer anderen Einstellung intolerant zu sein?
Gott schenke uns, unserer Welt, allen Gläubigen neue Erkenntnisse.
Er erleuchte uns und führe uns zum Leben und zum Frieden. Amen!

–Thomas Kalathil

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Christi Himmelfahrt – 2016 – C

Leave living and loving signs in lifeVor sechs Jahren hatte ich die Gelegenheit das heilige Land zu besuchen. Es war eine sehr schöne Reise. Nachdem wir in Jerusalem die großen Wallfahrtskirchen besucht hatten, kamen wir eines Tages zu einer kleinen Kapelle. Dieser einzigartige oktogonale Bau stand auf der höchsten Stelle des Ölberges. Unser Reiseleiter, ein Priester, der oft in Jerusalem war, erklärte uns, dass dies die Himmelfahrtskapelle sei. Vor 7. Jahrhundert stand dort eine Kirche, welche im Mittelalter zerstört wurde. Nur dieser oktogonale Bau ist übriggeblieben.
Ascension Chapel

In der Kapelle gab eine besondere Stelle: einen Felsen, an dem die Pilger beteten und ihre Kerzen anzündeten. Der Reiseleiter erzählte uns, dass dies die Stelle sei, wo Jesus in den Himmel aufgenommen wurde.

Die Bibel macht zur Auferstehung und Himmelfahrt Jesu ganz klare Aussagen.
Aber über den Felsen hatte ich vorher nie etwas gehört.
Ja, eigentlich er ist für meinen Glauben auch nicht ‚so wichtig‘.
Denn man trifft überall in großen Wahlfahrtsorten – in allen Religionen – auf solche Relikte und Erinnerungsstätten.
Ich habe die Geschichte des Felsen damals so verstanden…

Ascension Rock

Aber in den letzten Tagen, als ich für das Fest Christi Himmelfahrt die Predigt vorbereitet habe, kam mir dazu noch ein anderer Gedanke.
Ich fühlte, dieser Ort hat noch eine andere, tiefere Bedeutung.
Nämlich, dass er damals den Gläubigen eine Hilfe war, um sich die Himmelfahrt Jesu zu verdeutlichen. Dieser Ort war ein ‚Beweis‘ für sie. Aber mehr als das, vermittelte dieser Ort eine andere, eine wichtige Botschaft für die Christen.
Diese heißt:
Christus ist zwar in den Himmel aufgefahren,
aber er hinterlässt uns seine Spuren.
Seine Verbindung zur Erde und zur Menschheit ist dadurch nicht abgerissen. Wenn die Christen damals diesen ‚Fußabdruck‘ sahen, so haben sie sich wohl an diese Botschaft erinnert.

In die Fußstapfen treten: das ist eine besondere Erfahrung.
Kinder tun das, spielerisch.
Sie gehen mit Freude in den Fußabdrücken ihrer Eltern, Freunden usw…
Dabei fühlen sie sich sicher; dabei erleben sie eine besondere Verbindung und es macht Spaß.
Wenn wir Christen die Himmelfahrt Christi feiern, sollen auch wir diese besondere Freude und Sicherheit des Glaubens verspüren.

Meine Lieben,
Christus hinterlässt seine besonderen Spuren nicht nur auf einem leblosen Felsen. Vielmehr hinterlässt er seine lebendigen Spuren in unseren Herzen.
Seine Worte und seine Taten vermitteln uns diese Wahrheit.
Sein Leben und Handeln soll nicht einfach wie leblos in einem Buch verzeichnet stehen.
Vielmehr sollen sie uns prägen und uns mit dem Himmel und miteinander verbinden. Dann werden wir, wie Christus, unsere einzigartigen Spuren hinterlassen. Dann werden Menschen durch unser Leben und unsere Liebe,
den unsichtbaren Christus erfahren.
Das heutige Fest soll uns dazu befähigen.
Gott segne uns, diese Verbindung zwischen Gott und Menschen, Himmel und Erde lebendig zu halten. Amen!

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