AscensionEinführung:
Ein alter Pfarrer begann einmal seine Predigt zu Christi Himmelfahrt folgendermaßen: „Heute ist ein trauriger Tag für die Kirche. Denn der Herr ist nicht mehr da. Er ist in den Himmel aufgefahren. Der Heilige Geist ist noch nicht da, denn auf Pfingsten müssen wir noch warten.
Und die Gemeinde ist, wie ich eben sehe, auch nicht da….“
Eine nette und lustige Einleitung wie ich finde…
Und wir wissen, dass bei uns nicht so schlimm ist.
Ja, wir sind hier mit Freude versammelt,
um dieses Fest zu feiern.
Christus ist mit uns, auch wenn wir seine Himmelfahrt feiern.
Er ist hier. Er ist in und mit uns. Dafür wollen wir dankbar sein.

Predigt:
In meiner Heimat gibt es immer noch arrangierte Ehen.
Nach der Hochzeitsfeier wohnt die Braut nicht mehr bei ihren Eltern, sondern im Haus des Bräutigams. Bevor die Braut sich von der Eltern verabschiedet, sehen wir oft eine Szene: Die Tochter und ihre Eltern weinen, manchmal auch laut.
Eigentlich ist die Heirat kein Anlass zum Weinen. Trotzdem sieht man Tränen in ihren Augen. Dafür gibt es zwei Gründe: Die Eltern sind stolz und froh, dass ihre Tochter ein schönes Leben führen wird. Dennoch sind sie traurig, weil sie das Elternhaus verlässt.

Heute am Fest Christi Himmelfahrt haben wir ähnliche Gefühle.
Klar, wir weinen nicht. Aber ein ungutes Gefühl haben auch wir heute.
Der Tag hat gleichermaßen Freude und Trauer in sich.
Denn wir hören, dass Christus die Welt verlässt.
Aber es ist kein endgültiger Weggang. Denn Gott verlässt uns nicht. Das betont Jesus im Evangelium.
Denn die echte Beziehung bleibt, wie die erste Liebe.
Die Beziehung, die wir mit Gott durch Christus begonnen haben,
hat auf ewig Bestand.

Meine Lieben, am heutigen Tag begreifen wir und die ganze Welt eine Wahrheit – falls wir sie bisher noch nicht erfasst haben:
Christus ist ein Teil des Himmels.
Betrachten wir sein Leben, werden wir diese ewig gültige Beziehung erkennen.
Bei seiner Geburt hören die Hirten die Stimme der Engel im Himmel.
Bei seiner Taufe im Jordan hören Menschen wiederum eine Stimme aus dem Himmel, die bestätigt, dass er der geliebte Sohn Gottes ist.
Nun, heute kehrt er in den Himmel zurück, zu seinem Ursprung.
Man kann sagen, hier schließt sich der Kreis.
Christus kam geheimnisvoll auf die Erde,
nun geht er zurück in seine geheimnisvolle Welt …

Meine Lieben, wir wissen heute, dass der Himmel kein geographischer Ort ist. Vielmehr hat er eine symbolische Bedeutung.
Wenn wir Christi Himmelfahrt feiern, dann feiern wir die wunderbare Anerkennung von Christus durch seinen Vater.
Johannes verwendet dafür den Begriff ‚Verherrlichung’.
Ja, der Logos, das Wort, das Fleisch angenommen hat, ist nicht von der Erde, sondern er ist der Sohn Gottes. Gott ist sein Anfang und Ende.
Sein Platz ist in der Gemeinschaft mit Gott und dem Heiligen Geist.
Er war Gott, er wurde Mensch, aber er bekommt seine Gottheit in der Ganzheit zurück. Das ist nicht negatives, sondern eine gute, positive und, für uns alle, eine froh-machende Botschaft.

Christus geht zurück in den Himmel, damit wir letztlich in eine tiefere Beziehung mit Gott eintreten können.
Deshalb gibt es keinen Grund traurig zu sein.
Gott will, dass wir im Glauben wachsen.
Dazu sendet er uns seinen Geist, der uns ständig begleitet.
Gott ist nicht fern, denn seine Liebe erleben wir täglich.
Sein Wort ist unser Licht. Diese Hoffnung soll uns stärken. Amen!

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