Caritas-Sonntag201
Einleitung:
Heute feiern wir im Bistum Mainz den Caritas-Sonntag
Das Jahresthema lautet „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“.
Dazu begleiten uns viele Bilder im heutigen Gottesdienst.
Sie stellen uns viele Fragen…
Wie lebt ein Mensch? Wie lebe ich? Was kann ich verbessern?
Mögen diese Bilder die Augen und Herzen unserer Welt öffnen…

Predigt: MK 6 1b-6
„Jeder Mensch braucht ein Zuhause“
Zusammen mit diesem Satz sehen wir heute manche Bilder: Kinder, Eltern, junges Paar, ältere Menschen, die ohne Wohnung sind und auf der Straße leben..
Diese Bilder müssen uns berühren.
Caritas denkt immer für und mit der Gesellschaft und
setzt auch heute wieder einen aktuellen Schwerpunkt.
Sie will die Gesellschaft darauf aufmerksam machen und
sensibilisieren und möchte mit unserer Hilfe eine Lösung finden…

Ich habe in der Schule gelernt, was dem Menschen am wichtigsten ist.
Es sind drei Dinge:
Essen, Wohnung und Kleidung.

Aber später im Leben habe ich andere Dinge erfahren:
Ich bin Menschen begegnet, die in einem schönen Haus wohnten, aber manchmal nichts zu Essen hatten…
Sie haben das anderen verschwiegen,
weil sie sich schämten. Dennoch taten sie so, als wären sie zufrieden…Das Haus war ein Schutz für ihre Würde…
Mitte August habe ich in meiner Heimat eine neue Situation erlebt. Manche von euch haben es auch mitbekommen.
Menschen, die bis zum 14. August in ihren Häusern wohnen konnten, hatten auf einmal alles verloren.
Sie standen vor ihrem zerstörten, überfluteten Häusern.
Sie konnten nichts mehr retten…
Viele konnten nur noch zuschauen, wie das Haus zusammenbrach.
Ihre Träume wurden zu Alpträumen…
Manche haben geweint…
Einige sind an Herzversagen gestorben…

Nun, es gibt eine kleine Gruppe von Menschen, die ohne eine feste Wohnung leben will, um sich einfach und frei auf der Welt zu bewegen.
Aber für die meisten Menschen bedeutet der Besitz eines Hauses
mehr als nur ein Raum, es ist ihr ‚Lebensraum’..
Das ist ein Traum ihres Lebens.
Solch eine Wohnung zu verlieren bedeutet mehr als ein Verlust für die Menschen.

Unsere Politiker kennen dieses Problem sehr genau.
Sie sprechen von ‚bezahlbaren Wohnungen‘.
Sie wollen auch dieses Problem lösen.
Denn es sind viele Tausende von Menschen, die sich in Zukunft keine Wohnung mehr leisten können…
Ich möchte hier aber nicht über Politik reden.

Trotzdem will ich die Fragen stellen:
Wo sind die notwendigen Räume für Menschen?
An wen sind sie vergeben worden?

Ja, es ist leider eine Tatsache, dass viele von uns unbewusst
die Plätze der anderen einnehmen.
Auf einer Seite suchen junge Familien Räume für sich…
Auf der anderen Seite leben viele Menschen alleine in übergroßen Wohnungen…
Adelige, ältere und alleinlebende Menschen nehmen bewusst oder unbewusst Plätze von anderen ein, die ein Recht darauf hätten.
Das geschieht nicht nur hier, sondern überall auf der Welt…
Sie bauen Paläste und Hochhäuser und sehen nicht die Not ihrer Mitmenschen…
Denken wir an die Geschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus in der Bibel…

Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen, die bereit sind Leute in ihrer Not freundlich aufzunehmen…
Aber das ist letztendlich keine Lösung für dieses Problem…
Hier ist Umdenken gefordert.

Auch Jesus kannte schon dieses Problem:
Um für seine Berufung zu leben, war er stets unterwegs. Er hatte kein eigenes Haus.
Das Haus seiner Freunde war auch sein Haus…
Oft waren auch die Wiesen, die Berge und die Boote seine Wohnung…
Er war überall zuhause, die Welt war seine Wohnung…

Wir aber können nicht wie Jesus leben.
Denn eine Familie braucht ihre Räume…
Die Kinder brauchen ihren Schutz, ihre Ruhe und Möglichkeiten zur Entwicklung…
Menschen, die diese Möglichkeiten nicht haben gibt es genug in unserer Gesellschaft…
Aber auch ich weiß dafür keine konkrete Lösung.

Vielleicht könnten wir etwas bewirken, wenn wir mitdenken wollten.
Vielleicht sollten wir uns fragen, ob wir selbst ungerecht leben…
ob wir den Raum der anderen einnehmen…
Vielleicht können oder sollten wir ihn mit anderen teilen…
Vielleicht können wir eine Wohngemeinschaft bilden, uns gegenseitig helfen.
Es sind viele Wege, wenn wir nur bereit sind sie zu gehen…

Genauso wie sie und ich braucht jeder Mensch sein Zuhause.

Wir sollten diesen Tag nicht wie gewohnt vergehen lassen, sondern eine gute Entscheidung treffen…
Dies kann Menschen unter Umständen ihre Würde und ihre Freude wieder geben.

Maria hat für Jesus einen Platz bereitet.
Dafür hat sie ihren Leib und ihr Leben geopfert.
Möge die Fürsprache der Mutter Gottes uns helfen, eine mutige Entscheidung zu treffen.
Gott segne uns. Amen!

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