Corpus Christi
Einführung:
In Christus haben wir einen Begleiter, weil er mit uns geht.
Die Kirche macht ihn sichtbar und dieses Geheimnis feiern wir Christen heute, am Tag des Fronleichnamsfestes.
Ja Gott lebt. Er lebt mit uns.
Können wir ihn zu unseren Mitmenschen, zu unseren Nachbarn, zu den Fremden bringen? Ist er mein Begleiter in meinem Alltag?
Zu Gott, der uns Tag und Nacht begleitet, beten wir im Kyrie-Ruf:

Predigt:
Als ich in Innsbruck studierte, habe ich einen Freund und dessen Familie kennengelernt. Er ist für uns wie ein älterer Bruder. Er hat eine besondere Fähigkeit: Er konnte sich die Geburtstage und andere wichtige Ereignisse, wie die Weihetage usw. von uns, den indischen Studenten und Priestern, die in Innsbruck studiert haben, tadellos merken. Das sind schon einige Dutzende Menschen und Ereignisse. Aber er konnte sich an alle erinnern. Das kann er immer noch. Ja, das ist eine wunderbare Begabung…

Wenn ich mich mit ihm vergleiche, kann ich mich (hingegen) nicht an die Namen vieler meiner Schulfreunde erinnern. Das hat vielleicht einen Grund:
Weil ich seit einigen Jahren nicht mehr in meiner Heimat lebe, ist der Kontakt zu den meisten abgebrochen oder in Vergessenheit geraten. Nur ein paar Freunde bleiben in meinem Gedächtnis wach. Um das bloß nicht zu verlieren und die schönen Erinnerungen wachzuhalten, treffen wir uns seit einigen Jahren.
Dennoch, sich an ein Datum zu erinnern ist trotzdem ein Problem. Aber das erledigt jetzt, Gott sei Dank, der Online-Kalender. Auf diese Weise versuche ich mein Gedächtnis und meine Erinnerungen an diesen Menschen wach zu halten, weil das ganz wichtig für mich ist.

Heute feiern wir das Fronleichnamsfest. Wir feiern, dass unser Gott unter uns ist. Ihn sieht, erfährt man im Zeichen der Eucharistie. Er spricht zu uns in der heiligen Schrift. Ja, er ist der lebendige Gott.
Deshalb feiern wir sein Gedächtnis.
Dieses kleine Zeichen des Brotes vermittelt uns die wunderbare Botschaft…
Sie ermutigt Menschen seit Generationen.
Normalerweise feiern wir diesen Tag mit einer ‚stolzen‘ eucharistischen Prozession, mit schön geschmückten Altären und Gebeten und Gesängen.
In einer Monstranz tragen wir Christus durch die Straßen und zeigen der Welt, dass unser Gott wichtig für uns ist…
In diesem Jahr ist alles anders. Es gibt eine kurze „Trost-Prozession“
ohne Gesang und mit weniger Gebeten.

Ja, damit wollen wir Christus anderen nicht „zeigen“, sondern
wir „feiern“ ihn und machen uns selber bewusst, dass wir seine Zeugen sind. Ja, eigentlich ist dies auch der Sinn dieses Festes. Es geht nicht um Demonstration…
Jesus war wirklich dagegen. Das hören wir immer wieder in den Evangelien.
Seiner Meinung nach ist der Glaube eine private Sache:
Etwas Geheimes zwischen Gott und mir.
Das Corona-Virus macht uns dieses Mal darauf aufmerksam und fragt uns; “Trägst Du Christus in Dir?“

Wie kann ich Christus in meinem Leben und in meiner Welt tragen?

Ehrlich gesagt, das tun heute viele von uns…
Wenn wir für einen kranken oder schwachen Menschen einkaufen gehen;
wenn wir uns ein wenig um unsere Nachbarschaft kümmern;
wenn wir mit unseren Partnern und Kindern eine lebendige Familie gestalten; wenn wir zusammen beten, essen und sogar spielen;
wenn wir Gott in die Mitte (als Mittler) unserer Beziehung stellen…
Ja, Gott kann auch heute vielfältig unter uns lebendig bleiben…
So können wir Christus durch die Welt tragen.
Er ist kein Schmuckstück oder Ehrensache, sondern ein lebendiges Gedächtnis, eine Erinnerung zum Leben, die uns Orientierung gibt.

Es besitzt nicht jeder so ein tolles Gedächtnis wie mein Freund in Innsbruck. Aber das ist auch kein Problem.
Wichtig ist, dass man seine Vergangenheit nicht vergisst.
Wichtig ist, dass wir die Erinnerung an Christus lebendig und wach halten.
An ihn denken bedeutet, an Leben denken. Seine Worte schenken uns Leben. Daran erinnern uns das Evangelium und die Sakramente.
Wir wollen auch heute, in dieser Zeit, auf ihn hören.
Er segne und begleite uns. Amen!

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